
Weiterbildung:
Weidemanagement Pferde
Weidemanagement Pferde
Bewirtschaftung einer Pferdeweide
PE 514
1/2 Tag / 8.00 - 12.00 Uhr oder 13.30 - 17.30 Uhr
Plus Videolektionen und Arbeitsblätter Online im Mitgliederbereich als vorbereitung.
Diesen Kurs bieten wir für Vereine und Organisationen an, rufe uns an: 071 554 99 03
Damit Du Deine Weideflächen optimal und für viele Jahre nutzen kannst, ist die Richtige Weidenbewirtschaftung grundlegend. In diesem Kurs erfährst Du alles wissenswerte.
Interesse am Thema, Erfahrung im Bereich Pferdehaltung
CHF 225.00 inkl. Kursunterlagen, Zugang zum Intranet, exkl. Mittagessen.
Kaffee, Tee und Wasser stehen am Kurs allen Teilnehmenden zur Verfügung. Das Mittagessen reservieren wir in einem nahegelegenen Restaurant. Wer teilnehmen will, kann uns dies mitteilen. Das Mittagessen ist im Kurspreis nicht inbegriffen.
• Sähen, Mulchen, Eggen
• Düngung und Ernte
• Mäuse- und Unkrautbekämpfung
• Pflanzenkunde (Giftpflanzen)
• Praktische Übungen
Du kannst Pferdeweiden optimal bewirtschaften und beurteilen.
Durch das Wissen im Bereich Weidemanagement optimal handeln.
Ist Sache der Teilnehmer
Alle Teilnehmer erhalten eine Teilnahmebestätigung und können den Kurs in ihren Weiterbildungspass eintragen lassen.
Deutsch (Mundart oder Schriftsprache), welche der Teilnehmer in Wort und Schrift beherrschen muss.
min. 4, max. 16
Sybil Lüthi
Neukirch (Egnach) TG oder nach Absprache
Wir sind eduQua zertifiziert
Am Kurs werden wir im Freien praktische Übungen durchführen. Bitte dem Wetter entsprechende Kleidung anziehen bzw. mitbringen.
Weidemanagement Pferd – Pferdeweiden fachgerecht planen, nutzen und pflegen
Eine Pferdeweide ist weit mehr als eine eingezäunte Grünfläche. Sie ist Futtergrundlage, Bewegungsraum, Sozialraum und ein wichtiger Bestandteil der Pferdegesundheit. Gleichzeitig gehört die Pferdeweide zu den anspruchsvollsten Formen der Grünlandnutzung. Pferde fressen sehr selektiv, verbeissen Pflanzen tief und belasten die Grasnarbe insbesondere bei ungünstigen Bodenverhältnissen stark.
Ein funktionierendes Weidemanagement für Pferde muss deshalb verschiedene Anforderungen miteinander verbinden: die Bedürfnisse des Pferdes, die Entwicklung der Pflanzen, die Bodenverhältnisse, die Futterqualität, die Weidehygiene und die langfristige Erhaltung einer belastbaren Grasnarbe.
Der Kurs «Weidemanagement Pferd» vermittelt dir das Wissen, um diese Zusammenhänge zu verstehen und deine Pferdeweiden systematisch zu beurteilen, zu bewirtschaften und weiterzuentwickeln.
Warum gutes Weidemanagement so wichtig ist
Pferde stellen besondere Anforderungen an ihre Weide. Sie benötigen genügend Bewegungsraum und gleichzeitig ein Futterangebot, das zu ihrem individuellen Energie- und Nährstoffbedarf passt. Die Grasnarbe soll dicht, tragfähig und belastbar bleiben, obwohl Pferde Pflanzen sehr tief abfressen und durch Bewegung erhebliche Trittschäden verursachen können.
Fehlt eine angepasste Weideführung, können sich typische Probleme entwickeln:
- übernutzte und kahle Flächen,
- Geilstellen und ungleichmässiger Pflanzenbestand,
- Verdichtung und Trittschäden,
- Ausbreitung unerwünschter Pflanzen,
- zunehmender Parasitenbesatz,
- zu hohe oder zu geringe Futteraufnahme,
- erhöhte Aufnahme von Fruktan,
- Giftpflanzen im Bestand,
- schlechte Raufutterqualität,
- erhöhtes Risiko für Koliken, Hufrehe oder andere weidebedingte Erkrankungen.
Professionelles Weidemanagement bedeutet deshalb, Pferd, Pflanze, Boden, Futter und Nutzung als Gesamtsystem zu betrachten.
Sicheres Anweiden im Frühling
Der Wechsel von der Winterfütterung mit strukturreichem Raufutter auf frisches Weidegras bedeutet für den Verdauungstrakt des Pferdes eine erhebliche Umstellung.
Die Darmflora benötigt Zeit, um sich an das junge, zucker- und eiweissreichere Gras anzupassen. Ein abruptes Anweiden kann deshalb Verdauungsstörungen begünstigen. Die Umstellung sollte schrittweise erfolgen und sich über mindestens etwa zwei Wochen erstrecken; optimal sind drei bis vier Wochen.
Im Kurs lernst du unter anderem:
- wann mit dem Anweiden begonnen werden sollte,
- wie die Weidezeit schrittweise verlängert wird,
- warum Heu vor dem Weidegang sinnvoll sein kann,
- weshalb die Futterration während der Anweidephase angepasst werden muss,
- welche Pferde besonders vorsichtig angeweidet werden sollten,
- wann eine Begrenzung der Grasaufnahme sinnvoll ist.
Auch leichtfuttrige Pferde, Ponys, Esel sowie Pferde mit einem erhöhten Hufreherisiko benötigen häufig ein angepasstes Weidemanagement. Eine geeignete Fressbremse kann bei einzelnen Pferden eine Möglichkeit sein, die Grasaufnahme zu reduzieren.
Fruktan, Zucker und Hufrehe verstehen
Ein zentraler Bestandteil des Kurses ist das Verständnis der Vorgänge innerhalb der Graspflanze.
Fruktane dienen der Pflanze als Energiespeicher. Ihre Konzentration kann sich abhängig von Temperatur, Sonneneinstrahlung, Wasserversorgung, Pflanzenart, Wachstumsphase und Tageszeit verändern.
Besonders ungünstig können Bedingungen sein, bei denen die Pflanze zwar durch Sonneneinstrahlung Energie produziert, aufgrund niedriger Temperaturen oder Wassermangels jedoch nur eingeschränkt wächst. Die überschüssige Energie kann dann als Fruktan gespeichert werden.
Du lernst deshalb nicht einfach eine starre Regel wie «morgens gut – abends schlecht», sondern die biologischen Zusammenhänge hinter dem Fruktangehalt kennen.
Das ermöglicht dir, die aktuelle Situation einer Weide wesentlich fundierter einzuschätzen.
Weidepflege und Erhaltung einer gesunden Grasnarbe
Eine leistungsfähige Pferdeweide benötigt kontinuierliche Pflege.
Im Kurs behandelst du typische Massnahmen wie:
Schleppen und Striegeln: Bodenunebenheiten werden ausgeglichen, abgestorbenes Pflanzenmaterial entfernt und Voraussetzungen für eine erfolgreiche Nachsaat verbessert.
Walzen: Je nach Boden und Situation können hochgefrorene oder unebene Flächen wieder rückverfestigt werden.
Nachmähen und Mulchen: Nicht abgefressene Pflanzenbestände und Geilstellen können reguliert und die Entwicklung eines gleichmässigen Bestandes unterstützt werden.
Eggen: Unebenheiten können ausgeglichen und gegebenenfalls Übersaaten mit einer entsprechenden Technik kombiniert werden.
Zaunpflege: Vegetation entlang elektrischer Weidezäune muss kontrolliert werden, damit die Funktionsfähigkeit der Zaunanlage erhalten bleibt.
Diese Pflegemassnahmen werden im Kurs nicht isoliert betrachtet. Entscheidend ist, wann eine Massnahme sinnvoll ist und welches Problem damit gelöst werden soll.
Überweidung und Unterbeweidung erkennen
Sowohl eine zu intensive als auch eine zu geringe Nutzung kann den Pflanzenbestand langfristig verändern.
Bei einer Überbeweidung werden bevorzugte Pflanzen immer wieder sehr tief abgefressen. Die Pflanzen können nicht genügend Reservestoffe bilden, die Grasnarbe wird geschwächt und es entstehen Lücken.
Bei einer Unterbeweidung bleibt dagegen zu viel Pflanzenmaterial stehen. Bestimmte Pflanzen überaltern, werden von den Pferden zunehmend gemieden und können sich weiter ausbreiten.
Zeigerpflanzen können wertvolle Hinweise darauf geben, wie eine Fläche in der Vergangenheit genutzt wurde.
Du lernst deshalb, eine Pferdeweide nicht nur als «grün» oder «schlecht» zu beurteilen, sondern den Pflanzenbestand systematisch zu lesen.
Saat, Nachsaat und Grünlanderneuerung
Lücken in der Grasnarbe sind Eintrittspforten für unerwünschte Pflanzen.
Eine rechtzeitige Nach- oder Übersaat kann deshalb eine wichtige Massnahme zur Stabilisierung einer Pferdeweide sein. Bei stärker geschädigten Flächen kann hingegen eine umfassendere Sanierung erforderlich werden.
Im Kurs lernst du:
- wann eine Übersaat genügt,
- wann eine Nachsaat notwendig wird,
- wann eine Neuansaat zu prüfen ist,
- welche Rolle die vorhandene Grasnarbe spielt,
- warum Bodenschluss und Feuchtigkeit für den Saaterfolg entscheidend sind,
- weshalb der Nutzungsdruck nach einer Nachsaat angepasst werden muss.
Auch die Auswahl geeigneter Gräser wird thematisiert. Pferdeweiden benötigen unter anderem Arten und Sorten, die Tritt, Verbiss und wiederholte Nutzung möglichst gut vertragen.
Düngung von Pferdeweiden
Eine Pferdeweide benötigt Nährstoffe – aber nicht irgendeinen Dünger und nicht irgendeine Menge.
Eine fachgerechte Düngung orientiert sich am Standort, am Pflanzenbestand, an der Nutzung und idealerweise an einer Bodenuntersuchung.
Im Kurs beschäftigst du dich unter anderem mit:
- Grundsätzen einer bedarfsgerechten Düngung,
- Stickstoffversorgung,
- Kalkversorgung,
- Pferdemist,
- Nährstoffrückführung durch Kot und Harn,
- Auswirkungen einer unausgeglichenen Düngung,
- Zusammenhang zwischen Düngung und Pflanzenbestand.
Ziel ist nicht maximales Graswachstum, sondern eine stabile, geeignete und langfristig nutzbare Pferdeweide.
Raufutter gewinnen und Qualität beurteilen
Nicht jede Weidefläche wird während der gesamten Vegetationsperiode beweidet. Schnittnutzung kann Bestandteil eines sinnvollen Weidesystems sein und liefert gleichzeitig Heu oder andere Formen von Raufutter.
Der Kurs behandelt deshalb auch Grundlagen des Futterbaus und der Raufutterkonservierung.
Beim Trocknen wird dem Pflanzenmaterial so viel Wasser entzogen, dass Mikroorganismen in ihrer Entwicklung gehemmt werden. Beim Silieren sorgen Milchsäurebakterien durch die Bildung von Milchsäure für eine Absenkung des pH-Wertes und damit für die Konservierung.
Du lernst ausserdem wichtige Einflussgrössen der Raufutterqualität kennen, beispielsweise:
- Schnittzeitpunkt,
- Schnitthöhe,
- Trocknung,
- Lagerung,
- Verschmutzung,
- Staubentwicklung,
- Schimmel,
- botanische Zusammensetzung,
- Giftpflanzen.
Für Pferde geeignetes Raufutter soll insbesondere hygienisch einwandfrei, strukturreich und frei von Giftpflanzen sein.
Giftpflanzen auf Pferdeweiden erkennen
Giftpflanzen stellen ein besonderes Risiko dar, weil Pferde giftige Pflanzen zwar häufig meiden, dieses natürliche Verhalten jedoch keinen zuverlässigen Schutz bietet.
Unter anderem können Futterknappheit, Neugier, getrocknetes Pflanzenmaterial oder veränderte Geschmackseigenschaften dazu führen, dass Giftpflanzen aufgenommen werden.
Im Kurs beschäftigst du dich mit wichtigen Giftpflanzen und typischen Gefährdungen, beispielsweise:
- Eibe,
- Herbstzeitlose,
- Jakobs-Kreuzkraut,
- Robinie beziehungsweise falsche Akazie,
- Goldregen,
- Fingerhut,
- Lebensbaum,
- Sumpf-Schachtelhalm,
- Buchsbaum und weiteren Arten.
Ein wichtiger Grundsatz lautet: Auch im konservierten Futter können Giftstoffe bestimmter Pflanzen weiterhin wirksam sein.
Weidebedingte Krankheiten
Weidemanagement und Pferdegesundheit hängen unmittelbar zusammen.
Der Kurs behandelt deshalb verschiedene Krankheiten und Gesundheitsstörungen, die im Zusammenhang mit dem Weidegang auftreten können.
Hufrehe
Bei weidebedingter Hufrehe spielen insbesondere leicht verfügbare Kohlenhydrate beziehungsweise Fruktane und die individuelle Empfindlichkeit des Pferdes eine wichtige Rolle.
Kolik
Eine schnelle Futterumstellung, sehr zucker- und eiweissreiches Gras oder starke Veränderungen der Futterration können Verdauungsprobleme und insbesondere Gaskoliken begünstigen.
Atypische Weidemyopathie
Eine weitere wichtige Erkrankung ist die atypische Weidemyopathie. Sie steht insbesondere im Zusammenhang mit dem Giftstoff Hypoglycin A aus Samen beziehungsweise Keimlingen bestimmter Ahornarten.
Für die Schweiz ist insbesondere der Bergahorn relevant. Risikoweiden sollten entsprechend beurteilt und bewirtschaftet werden. Ausreichendes Futterangebot sowie angepasstes Weidemanagement gehören zu den wesentlichen Präventionsmassnahmen.
Grass Sickness
Auch Grass Sickness wird als weideassoziierte Erkrankung thematisiert. Sie betrifft das Nervensystem und kann unter anderem mit Koliksymptomen, Schluckbeschwerden und Speicheln einhergehen.
Theorie verstehen – auf der eigenen Weide anwenden
Der Kurs ist als hybride Weiterbildung aufgebaut.
Die theoretischen Grundlagen werden über Lerninhalte vermittelt. Ergänzend werden praktische Übungen durchgeführt, damit das erworbene Wissen auf reale Weidesituationen übertragen werden kann.
Im Mittelpunkt steht nicht das Auswendiglernen einzelner Regeln. Entscheidend ist, dass du lernst:
beobachten → beurteilen → Ursachen erkennen → geeignete Massnahmen auswählen → Wirkung kontrollieren.
Damit kannst du viele Probleme einer Pferdeweide frühzeitig erkennen, bevor daraus grössere Schäden entstehen.
Für wen ist der Kurs geeignet?
Der Kurs richtet sich insbesondere an:
- Pferdehalterinnen und Pferdehalter,
- Stallbetreiberinnen und Stallbetreiber,
- Personen mit eigenen oder gepachteten Pferdeweiden,
- Mitarbeitende von Pferdebetrieben,
- Verantwortliche für Weidepflege und Futtergewinnung,
- Personen, die ihr Wissen über Pferdehaltung und Weidemanagement vertiefen möchten.
Der Lehrgang ist als Weiterbildung konzipiert und setzt gewisse Grundkenntnisse über Pferde und ihre Bedürfnisse voraus.
Das Ziel: Eine Weide, die Pferd und Pflanze gerecht wird
Gutes Weidemanagement bedeutet nicht, möglichst viel Gras zu produzieren.
Das Ziel ist eine Weide, die
gesund, belastbar, hygienisch, sicher und langfristig nutzbar ist – und gleichzeitig zum jeweiligen Pferd passt.
Nach dem Kurs kannst du die wichtigsten Einflussfaktoren einer Pferdeweide wesentlich besser beurteilen und Zusammenhänge zwischen Pflanzenbestand, Nutzung, Pflege, Fütterung und Pferdegesundheit erkennen.
So wird aus einer Grünfläche eine systematisch bewirtschaftete Pferdeweide.
FAQ – häufige Fragen zum Weidemanagement bei Pferden
Was versteht man unter Weidemanagement beim Pferd?
Weidemanagement umfasst die Planung, Nutzung und Pflege einer Pferdeweide. Dazu gehören unter anderem Anweiden, Besatz und Weidezeiten, Pflanzenbestand, Boden, Düngung, Nachsaat, Weidehygiene, Futterqualität, Giftpflanzen und Gesundheitsrisiken.
Warum müssen Pferde langsam angeweidet werden?
Nach der Winterfütterung muss sich die Darmflora zunächst an das frische, zucker- und eiweissreichere Gras anpassen. Eine langsame Futterumstellung reduziert das Risiko von Verdauungsproblemen.
Warum ist kurzes Gras nicht automatisch geeignetes Pferdegras?
Sehr stark abgefressene oder gestresste Pflanzen können einen hohen Fruktangehalt aufweisen. Gleichzeitig führt zu tiefer Verbiss dazu, dass die Grasnarbe geschwächt wird.
Welche Rolle spielt Fruktan bei Pferden?
Fruktan ist ein Kohlenhydrat, das von Pflanzen als Energiespeicher genutzt wird. Hohe Fruktanaufnahmen können bei empfindlichen Pferden den Stoffwechsel und die Darmflora belasten und mit einem erhöhten Hufreherisiko verbunden sein.
Muss eine Pferdeweide regelmässig gepflegt werden?
Ja. Ohne gezielte Pflege können Geilstellen, Lücken, Trittschäden und unerwünschte Pflanzen zunehmen. Striegeln, Nachmähen, Nachsaat, angepasste Düngung und eine geeignete Weideführung unterstützen den Erhalt einer stabilen Grasnarbe.
Können Giftpflanzen auch im Heu gefährlich sein?
Ja. Bei verschiedenen Giftpflanzen bleiben toxische Inhaltsstoffe auch nach dem Trocknen erhalten. Deshalb muss auch Raufutter auf Giftpflanzen und hygienische Qualität kontrolliert werden.