
Ursachen des Bockhufs
Der Bockhuf entsteht durch eine Verkürzung der tiefen Beugesehne, die oft relativ ist, da das Röhrbein schneller wächst als die Sehne. Aufgrund der fehlenden Dehnungsfähigkeit der Sehne und der Unterstützung durch das Band kommt es zu einer Kontraktur.
Diese führt zu einer Beugung im Hufgelenk, wodurch die Trachten entlastet werden und schneller wachsen. Gleichzeitig wird die Sohle im Bereich der Hufbeinspitze stärker belastet, was Entzündungen begünstigen kann.
Die Erkrankung betrifft in der Regel die Vorderbeine, entweder einseitig oder beidseitig, und tritt hauptsächlich in den ersten Lebensmonaten auf (ca. 3–6 Monate).
Formen des Bockhufs
Es gibt zwei Hauptformen:
- Angeborener Bockhuf – Reagiert meist gut auf konservative Massnahmen wie Verbände und Schienen.
- Erworbener Bockhuf – Benötigt in der Regel eine chirurgische Behandlung.
Diagnosestellung
Das klinische Erscheinungsbild ist meist eindeutig. Dennoch sollten alle Sehnen sowohl unter Belastung als auch in angehobenem Zustand abgetastet werden, um die Spannung zu beurteilen. Röntgenaufnahmen der distalen Gliedmaße im seitlichen Strahlengang helfen, Deformationen des Hufbeins zu erkennen und die Fehlstellung objektiv zu bewerten.
Differenzialdiagnosen
- Sehnenstelzfuss
- Sekundärer Bockhuf durch andere orthopädische Probleme (z. B. Schultergelenkszyste, Wachstumsfugenstörung). Schmerzen führen zu einer Entlastung des Beins, wodurch sich die Sehne verkürzen kann.
Behandlungsmöglichkeiten
Konservative Therapie
Zunächst sollte eine konservative Behandlung versucht werden. Der Erfolg hängt von mehreren Faktoren ab:
- Dauer: Falls nach 4 Wochen keine Verbesserung eintritt, sollte eine Operation in Erwägung gezogen werden.
- Alter: Jüngere Fohlen sprechen besser auf eine konservative Therapie an. Ab 5 Monaten sind die Erfolgschancen gering.
- Schweregrad: Bei einem Winkel von über 90 Grad ist eine chirurgische Intervention meist erforderlich.
Massnahmen der konservativen Therapie:
- Futterreduktion: Verhindert ein zu schnelles Wachstum.
- Mineralstoffkorrektur: Sicherstellung eines ausgewogenen Kalzium-Phosphor-Verhältnisses.
- Hufkorrektur: Starkes Kürzen der Trachten, sodass sie nicht belastet werden.
- Hufschutz: Schutz der vorderen Sohlenregion zur Vermeidung einer Huflederhautentzündung:
- Halbmondeisen und Schnabelhufeisen (erfordern erfahrene Hufschmiede)
- Dallmerschuh (in verschiedenen Größen verfügbar, zum Kleben geeignet)
- Zwei-Komponenten-Kleber zur Sohlenschonung und Hufwandverlängerung
- Feste Verbände: Können zu einer Entspannung der Sehne beitragen.
- Tetrazyklin-Injektionen: Hohe Dosen von Oxytetrazyklin bewirken eine Sehnenerschlaffung.
- Schmerzmittel: Bei starken Beschwerden sinnvoll.
Eine radiologische Kontrolle ist wichtig, da eine optische Verbesserung nicht immer eine funktionelle Heilung bedeutet.
Chirurgische Therapie
In schweren Fällen kann eine operative Durchtrennung des Unterstützungsbandes der tiefen Beugesehne notwendig sein. Diese Methode erzielt in der Regel gute funktionelle und kosmetische Ergebnisse. In seltenen, fortgeschrittenen Fällen muss die gesamte tiefe Beugesehne durchtrennt werden, was die Prognose verschlechtert.
Durchführung der Operation:
- Die Desmotomie des Unterstützungsbandes erfolgt unter Allgemeinanästhesie.
- Nach steriler Vorbereitung wird ein Hautschnitt auf der Außenseite des Röhrbeins vorgenommen.
- Mittels Ultraschall wird das Unterstützungsband identifiziert und durchtrennt.
- Anschliessend erfolgt der Wundverschluss mit Naht und die Anlage eines Verbandes.
Nachsorge
Nach der OP tragen die Fohlen für 2–3 Wochen einen Verband, der die Heilung unterstützt und eine Sehnenerschlaffung fördert. Regelmäßiges Kürzen der Trachten ist erforderlich.
Prognose
Die Prognose ist in den meisten Fällen gut. Auch sportliche Karrieren sind nach einer erfolgreichen Behandlung möglich.
Fehlstellungen beim Fohlen sind Thema des nächsten EquiTalk am nächsten Montagabend 7.4.25 um 19.00. Anmeldelink